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Zentrale Erkenntnisse

Die Transformation in der Bauwirtschaft vollzieht sich unter besonderen strukturellen Bedingungen. Anders als in kontrollierten Laborsituationen findet Bauen in offenen, dynamischen und stark orts- und projektbezogenen Kontexten und zu globalen Marktbedingungen statt. Jedes Vorhaben ist ein eigenes sozio-technisches System, in dem Zielkonflikte und Abhängigkeiten entlang der Wertschöpfungskette unter realen, oft unsicheren Rahmenbedingungen verhandelt und umgesetzt werden müssen. Diese Kontextvielfalt macht Transformationsprozesse komplex und zugleich besonders abhängig vom Zusammenspiel der Akteur*innen, langfristiger Beobachtung und Lernprozessen.

Vor diesem Hintergrund wurde das Transformationsbarometer Bauwirtschaft 2025/26 durchgeführt, dessen Erkenntnisse aus der quantitativen Onlinebefragung und den qualitativen Einzelinterviews zeigen: Bestandserhalt, CO₂-Reduktion, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschutz sind als Zielbilder im Planen und Bauen etabliert. In der Praxis wird Transformation aber häufig noch projektweise umgesetzt und bleibt oft abhängig von einzelnen Bauherr*innen und günstigen Rahmenbedingungen. Die nachfolgenden Erkenntnisse und Handlungserfordernisse stellen eine Auswahl zentraler Ergebnisse aus der Onlinebefragung und den Einzelinterviews dar.

Zentrale Erkenntnisse

Bestandserhalt und Neubau

  1. Der Bestandserhalt prägt einen Großteil der Baupraxis, ist aber strukturell benachteiligt.
  2. Der zentrale Bremsklotz ist die Neubau-Logik im Bestand.
  3. Mehrkosten im Bestand sind teils systemisch und verlangen frühe Risikoklärung. 

Reduktion von CO2-Emissionen

  1. „Einfaches Bauen“ gilt als eine Schlüsselstrategie, ist aber teilweise nicht ausreichend abgesichert.
  2. CO2-Reduktion wird als Lebenszyklus- und Materialfrage verstanden, aber selten konsequent gesteuert.
  3. Bremsen des energetischen Umbaus liegen oft in Umsetzungsbedingungen. 

Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft

  1. Recycling ist etabliert, Verfügbarkeit von Sekundärmaterial ist Voraussetzung für Recycling und Wiederverwendung.
  2. Abfallrecht und Einzelfallprüfungen erschweren Wiederverwendung und Recycling in der Skalierung.
  3. Nachwachsende Baustoffe gelten als Klima- und Ressourcenschutz, entscheidend sind Herkunft, Verfügbarkeit und langfristige Nutzung.
  4. Die öffentliche Hand kann Vorreiterin sein, wird aber durch Vergabepraxis beschränkt. 

Digitalisierung und KI

  1. Die Digitalisierung ist in der Bauwirtschaft etabliert, ihr Potenzial für den Klima- und Ressourcenschutz wird noch nicht genutzt.
  2. Digitalisierung wirkt mit guter Datenorganisation und klarer Verantwortung.
  3. KI gilt als Potenzial, Nutzung wird aber durch fehlendes Anwendungswissen gebremst. 

Kompetenzen und Fachkräfte

  1. Qualifizierung ist ein struktureller Engpass.
  2. Fachkräfte und Transformationskompetenzen werden zur zentralen Voraussetzung der Transformation. 

Alle ausführlichen Erkenntnisse finden Sie im PDF-Dokument.

Ausgewählte Handlungserfordernisse

Bund

  • Abfallrecht und Wiederverwendung praxistauglich reformieren
  • CO2-Steuerung über den Lebenszyklus als Standard etablieren
  • Datenverwaltung und -souveränität im Bauwesen regeln
  • Anders bauen rechtlich ermöglichen
  • Rahmenbedingungen für den energetischen Umbau des Gebäudebereichs verlässlich ausrichten
  • Transformationswissen befördern

Länder

  • „Umbau ist kein Neubau“ im Landesrecht und Vollzug verankern
  • Baustandards auf Qualität, Ressourcenschutz und Kostenreduktion gleichermaßen ausrichten
  • Genehmigungsfähigkeit für CO₂-arme und zirkuläre Lösungen vereinfachen und sichern

Kommunen

  • Öffentliche Beschaffung als Markthebel nutzen
  • Lokale Kreislaufinfrastruktur und Bauteilbörsen aufbauen
  • Bestandserhalt strategisch in Liegenschafts- und Stadtentwicklung verankern
  • Kooperation und Datenbereitstellung ermöglichen

Verbände / Kammern / Institutionen

  • Vorlagen und Instrumente bereitstellen
  • Qualifizierung strukturell stärken
  • Beratungsangebote ausbauen
  • Sichtbarkeit schaffen

Bauwirtschaft 

  • Risikomanagement frühzeitig organisieren
  • Klima- und Ressourcenschutz konsequent in der Projektbearbeitung berücksichtigen
  • Innovationskraft einbringen
  • Integriert planen und bauen
  • Neue Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette erproben