Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI)
Die Digitalisierung von Prozessen und die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz werden häufig als wichtige Hilfsmittel auf dem Weg zu einem emissionsärmeren und ressourcenschonenderen Planen, Bauen und Sanieren angeführt. In diesem Teil der Befragung ging es daher um die Frage, wie hilfreich digitale Werkzeuge aus Sicht der Bauwirtschaft in diesem Zusammenhang sind und für welche Zwecke gegenwärtig KI-basierte Tools eingesetzt werden.
Kernaussagen der Onlinebefragung
- Digitale Tools werden von den befragten Unternehmen teilweise als hilfreiche Werkzeuge eingeschätzt, um ressourcenschonende und emissionsarme Bauprojekte zu planen oder umzusetzen. Die höchste Relevanz wird in diesem Zusammenhang Energiebedarfs- und Gebäudesimulationen mit durchschnittlich 33 % zugeschrieben. Nachhaltigkeits- und CO2-Monitoring und die digitale Bestandsaufnahme / Gebäuderessourcenpass spielen demgegenüber mit jeweils durchschnittlich 19 % eine kleinere Rolle.
- BIM weist bei den Ingenieurbüros (20 %) und in der Bauindustrie (26 %) eine im Vergleich zu den anderen befragten Akteur*innengruppen höhere Bedeutung auf.
- Die größten Hindernisse bei der Nutzung digitaler Tools zur Umsetzung der Bautransformation sind laut der Befragten eine fehlende Nachfrage nach digitalisierten Prozessen seitens der Auftraggebenden (58 %), ein mit der Nutzung verbundener hoher Bearbeitungsaufwand (53 %) und hohe Investitionskosten (45 %).
- Als Hemmnisse werden zudem fehlende einheitliche Standards bzw. ein inkompatibler Datenaustausch (35 %), die fehlende Verfügbarkeit von Daten (31 %) und unzureichende Kompetenzen bei Projektpartner*innen (31 %) oder im eigenen Unternehmen (28 %) angesehen.
- Insgesamt 55 % der befragten Unternehmen nutzen KI. 74 % der befragten Architekt*innen gaben an, keine KI-basierten Tools zu nutzen.
- Genutzt wird KI bislang vor allem zur Recherche (40 %) und Kommunikation (29 %). Die Befragten der Bauindustrie setzen KI häufiger auch für die Erledigung von Routineaufgaben (35 %) und zur Analyse (30 %) ein.
Alle konkreten Fragen und Statistiken zu Antworten finden Sie im PDF-Dokument und auf dem Miroboard.
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Interview: Zukünftige Rolle von Digitalisierung und KI
Digitalisierung und KI wird laut quantitativer Onlinebefragung für das emissionsarme und ressourcenschonende Planen und Bauen teilweise als hilfreich eingeschätzt. Vertiefend wurde deshalb gefragt, welche digitalen und KI-Anwendungen zukünftig eine größere Rolle für die Bautransformation spielen könnten.
Potenziale von Building Information Modeling (BIM)
Potenziale sieht ein Teil der Interviewten im Building Information Modeling (BIM). Laut Architekt*innen kann BIM die Optimierung des gesamten Prozesses — von der Abfallvermeidung während des Baus über die Optimierung des Gebäudes im Gebäudebetrieb bis hin zu seinem Rückbau fördern. Voraussetzung dafür sind BIM-fähige Tools und kompatible Schnittstellen für Anschlussanwendungen, etwa für die Erzeugung digitaler Produktpässe, für die Integration von Energieberatersoftware oder für die umfassende Nutzung von BIM über den gesamten Lebenszyklus.
Rückbaukataster, Bauteilbörsen und Datenbanken
Potenziale werden von Interviewten der Architektur, Bauindustrie und Bauingenieurwesen in digitalen Rückbaukatastern bzw. digitalen Bauteilbörsen gesehen, etwa auf kommunaler Ebene. Befragte aus der Baustoffindustrie sehen Bedarf an einer verifizierten, nicht privatwirtschaftlich organisierten, allgemein zugänglichen und kostenfreien Datenbank zu CO₂-Äquivalenten von Materialien.
Digitale Tools für die Bautransformation
Digitale Werkzeuge werden von Bauingenieurbüros und Bauhauptgewerbe insbesondere für den Umbau im Bestand als relevant eingeschätzt. Vorgeschlagen werden darüber hinaus digitale Anwendungen, die Genehmigungsverfahren unterstützen und vereinfachen oder Instrumente, mit denen Bauherr*innen frühzeitig überschlägig eine Lebenszyklusanalyse durchführen können, um die Eignung für die QNG-Förderung zu prüfen.
Datenaustausch und Anschlussfähigkeit
Von den Interviewten wird der Einsatz digitaler Datenformate entlang der Planungs-, Bau- und Produktionskette als grundsätzlich etabliert, zugleich jedoch als fragmentiert und störanfällig beschrieben. Modellbasierte Prozesse seien nur eingeschränkt durchgängig, die Zugriffshoheit sei nicht gesichert. Angeregt wird die Einführung verbesserter Datenportabilitäten sowie mehr Datensouveränität entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
KI und Bautransformation
Mit besonderem Blick auf ressourcenschonendes und emissionsarmes Bauen werden KI-Potenziale in verbesserten Lebenszyklusanalysen und CO₂-Berechnungen, in einem effizienteren Einsatz kreislauffähiger Bauprodukte, in der Qualitätsklassifizierung wiederverwendeter Bauteile sowie in kommunalen digitalen Wärmekatastern gesehen. Trotz dieser Erwartungen äußert ein Großteil der Interviewten auch Vorbehalte. Kreative Entwurfsarbeit wird laut Architekt*innen als genuin menschlicher Prozess verstanden, und KI wird überwiegend als unterstützendes Werkzeug bewertet, dessen Vorschläge fachlich geprüft und korrigiert werden müssen.
Die ausführliche Zusammenfassung der Interviews finden Sie im PDF-Dokument.