Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft
Neben der Reduzierung von CO2-Emissionen ist die Einsparung von Ressourcen der zweite große Baustein auf dem Weg zum umweltverträglicheren Planen und Bauen. In welchem Maße ressourcenschonende oder recycelte Materialien gegenwärtig eingesetzt werden und wo die Bauwirtschaft mit Blick auf die Wiederverwendung von Materialien und Bauteilen steht, war Gegenstand dieses Fragenblocks.
Kernaussagen der Onlinebefragung
- Ressourcenschonende Baustoffe (z. B. Holz, Lehm) und Recyclingbaustoffe spielen insgesamt eine mittlere bis große Rolle. Eine kleinere Rolle nimmt demgegenüber die Wiederverwendung von Bauteilen ein.
Recycling von Baustoffen
- Bei den Befragten aus der Baustoffindustrie spielen Recycling- bzw. Sekundärrohstoffe in etwa 50 % der Unternehmen eine mittlere bis große Rolle.
- Der Anteil der Recycling- bzw. Sekundärrohstoffe am gesamten Materialeinsatz beträgt durchschnittlich 14 %.
- Die größten Herausforderungen bei der Verwendung von Recycling- bzw. Sekundärbaustoffen sind aus Sicht der Befragten der Baustoffindustrie ein Mangel an Sekundärrohstoffen (66 %), die durch den Mehraufwand zusätzlichen Kosten (59 %), logistische Herausforderungen (48 %) und das Abfallrecht (43 %).
- Die Entwicklung noch ressourcenschonenderer Produkte wird vor allem durch die fehlende Bereitschaft der Auftraggebenden erschwert, die höheren Kosten solcher Lösungen zu tragen (77 %) sowie durch die mangelnde Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen (53 %).
Wiederverwendung von Bauteilen
- Eine Wiederverwendung wird derzeit bei Holz vor allem von Architekturbüros (24 %) und dem Bauhauptgewerbe (20 %) umgesetzt. Bei den befragten Ingenieurbüros spielt die Wiederverwendung von Stahl mit 19 % eine Rolle. Im Ausbaugewerbe werden Bauteile wie Dachdeckung (15 %) und Kunststofffenster (16 %) teilweise wieder genutzt.
- Die größten Hindernisse bei der Wiederverwendung sind laut der Befragten die höheren Kosten aufgrund des Mehraufwands in Suche und Aufbereitung (66 %) sowie die Haftungsrisiken (66 %).
- Das Ausbaugewerbe gibt mit 68 % an, dass der beschädigungsfreie Ausbau häufig ein zentrales Problem sei.
Verwendung von ressourcenschonenden bzw. nachwachsenden Baustoffen (Holz, Lehm etc.)
- Im Rahmen der Verwendung von nachwachsenden Baustoffen werden am häufigsten Nadelholz (68 %), Holzwolle (35 %) und Laubholz (18 %) genannt.
- Hemmnisse für umweltverträglichere Bauprojekte sind laut der Befragten die fehlende Bereitschaft der Auftraggebenden, die höheren Kosten zu tragen (76 %), ein fehlendes Interesse der Auftraggebenden an umweltverträglicheren Bauprojekten (59 %) sowie regulatorische Anforderungen (50 %), aber auch unzureichende oder fehlende Förderprogramme (40 %).
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Interview: Attraktivierung von Recycling und Wiederverwendung
In der quantitativen Onlinebefragung zum Thema Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft zeigte sich, dass ressourcenschonende Baustoffe (z. B. Holz, Lehm) eine mittlere bis große Rolle spielen. Auch Recyclingbaustoffe nehmen in der Berufspraxis der Befragten eine mittlere bis teilweise große Rolle ein. Die Wiederverwendung von Bauteilen ist dagegen noch eher selektiv. Das Interview ging deshalb der Frage nach, welche Faktoren aus Sicht der Interviewten sowohl den Einsatz von Recyclingbaustoffen als auch die Wiederverwendung von Baustoffen und Bauteilen erhöhen würde.
Abfallstatus und Rechtssicherheit
Vereinfachte Zulassungsverfahren und eine Anpassung des Abfallrechts werden von verschiedenen Akteur*innen als relevante Stellschrauben beschrieben. Wenn normative und rechtliche Sicherheit gegeben sei und Prüfungen nicht mehr ausschließlich im Einzelfall erfolgen müssten, könne Re-Use auch wirtschaftlich tragfähig sein und gegenüber Primärbaustoffen Kostenvorteile bieten.
Bauteilkataster und Logistik
Architekt*innen und Bauingenieur*innen betonen die Bedeutung von Bauteilkatastern und einer entsprechenden Vertriebsinfrastruktur für die Weiterentwicklung des zirkulären Bauens. Kommunen könnten hier eine Vorreiterrolle einnehmen, etwa durch lokale Kataster von Bestandsgebäuden und Rückbauvorhaben.
Expertise und Wissensvermittlung
Für öffentliche Auftraggeber*innen ist die Bereitstellung fachlicher Expertise von hoher Bedeutung. Sie ermöglicht es, Ausschreibungen so zu gestalten, dass zirkuläre Ansätze gezielt berücksichtigt werden. Dies kann beispielsweise durch passende Standardleistungstexte erfolgen.
Herstellungskosten und Wirtschaftlichkeit
Recyclingprodukte gelten in einigen Bereichen bereits als etabliert, werden jedoch weiterhin als kostenintensiv beschrieben. Hinzu kommen Qualitätsschwankungen von Rezyklaten, die einen höheren Produktionsaufwand erfordern. Für mehr Wirtschaftlichkeit müssen Zulassungen für RC-Produkte schneller und in größerem Umfang erfolgen können.
Verfügbarkeit und Bewertung
Der Schwerpunkt im Bereich Recyclingbaustoffe liegt derzeit auf Recycling-Beton (RC-Beton). In diesem Zusammenhang werden Anforderungen in Rückbauausschreibungen diskutiert, etwa zur Qualität des Abbruchmaterials oder zu dessen weiterer Verwendung. Gleichzeitig wird angeregt, Produktnormen so weiterzuentwickeln, dass höhere Rezyklatanteile in Baustoffen zugelassen werden können, sofern dies fachlich vertretbar ist.
Beschaffung und Rahmenbedingungen
Interviewte aus Architektur und Bauindustrie sehen die öffentliche Hand aufgrund ihrer Rolle als große Bauherrin in einer Vorreiterrolle. In bestehenden Regelwerken wie der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher Leistungen (AVV Klima) oder dem Klimaschutzgesetz würden laut Interviewten aus dem Ingenieurwesen zudem Recyclingquoten und ein Zirkularitätsindex fehlen. Vor diesem Hintergrund wird die Einführung einer standardisierten Bewertungsgrundlage für Zirkularität angeregt.
Interview: Anreize für mehr ressourcenschonendes Bauen
Wie lässt sich ressourcenschonendes Bauen unterstützen und wie können Auftraggebende überzeugt werden, noch ressourcenschonender zu bauen? Im Gespräch dazu waren Interviewpartner*innen aus den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Bauindustrie, Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe.
Entscheidungslogiken und Breitenwirksamkeit
In den Einzelgesprächen mit den Interviewpartner*innen wird ressourcenschonendes Bauen überwiegend in Hinblick auf seine Breitenwirksamkeit diskutiert. Entsprechend gelten Instrumente als besonders relevant, die nicht nur experimentelle oder idealistisch motivierte Projekte adressieren, sondern auch Investor*innen, Kommunen sowie kleinere und private Bauherr*innen erreichen.
Finanzielle Instrumente und Preissignale
Mehrere Interviewpartner*innen führen steuerliche Anreize für das ressourcenschonende Bauen an. Dazu zählen eine verminderte Grundsteuer für Bestandsgebäude gegenüber Neubauten, allgemeine Steuerersparnisse oder beschleunigte Abschreibungen, etwa für Kommunen, die nach Cradle-to-Cradle-Prinzipien bauen.
Planungssicherheit und Programmlogik
Förderungen sollten aus Sicht des Ausbaugewerbes langlebig und verlässlich sein, da Bauprojekte über lange Zeiträume geplant werden. Gleichzeitig wird betont, dass Förderungen konkrete Bedarfe adressieren sollten. Da diese lokal sehr unterschiedlich seien, werden regional oder kommunal zugeschnittene Programme als sinnvoll erachtet.
Unterstützung und Multiplikation
Mehrfach wird hervorgehoben, dass ressourcenschonendes Bauen durch fachliche Unterstützung und standardisierte Verfahren wahrscheinlicher wird. Übergreifend wird die Befähigung von Fachleuten zum ressourcenschonenden Bauen als wichtiger Hebel benannt, um Hemmnisse entlang der gesamten Prozesskette — von Planung über Ausschreibung bis Ausführung — zu reduzieren.
Kommunikation und Akzeptanz
Bauingenieur*innen halten Weiterbildungen, Aufklärung und Kommunikation über Immobilieneigentümerverbände für wesentlich. Eine robuste Gestaltung trägt dazu bei, nutzungsbedingte oder vorzeitige Erneuerungen aus rein gestalterischen Gründen zu vermeiden und damit Materialverbrauch sowie Abfallmengen zu reduzieren. So unterstützt Gestaltung die Dauerhaftigkeit von Gebäuden und stärkt die Ziele ressourceneffizienter Bauweisen.
Die ausführliche Zusammenfassung der Interviews finden Sie im PDF-Dokument.