Reduktion von CO2-Emissionen
Deutschlandweit ist der Gebäudebereich durch Neubau, Umbau und den Betrieb von Gebäuden (Stichwort: Lebenszyklusbetrachtung) für einen hohen Anteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Durch die Akteur*innen in der Wertschöpfungskette Bau kann somit ein erheblicher Beitrag zur CO2-Emissionsreduktion geleistet werden. Die Unternehmen wurden daher danach gefragt, welche Maßnahmen sie bereits im eigenen Betrieb umgesetzt haben, welche Maßnahmen sie im Rahmen von Bauprojekten planen und umsetzen und welche Hürden die Transformation derzeit behindern.
Kernaussagen der Onlinebefragung
Maßnahmen zur CO2-Reduktion im eigenen Betrieb
- Mehr als 60 % der ausführenden Unternehmen optimieren ihre Fahrt- und Transportwege.
- Etwa die Hälfte der befragten Unternehmen mit Betriebsgebäuden im Eigentum haben Maßnahmen zur Senkung des Energiebedarfs und der CO2-Emissionen ihres Betriebs und der Gebäude umgesetzt.
- Durchschnittlich ein Drittel der Befragten hat den Fuhrpark bei den Firmenfahrzeugen auf Elektroantriebe umgestellt. Die Umstellung auf Elektroantrieb bei Baumaschinen ist weniger verbreitet. Die Umstellung auf Wasserstofffahrzeuge wird kaum umgesetzt.
Maßnahmen zur CO2-Reduktion bei Bauprojekten
- Beim Planen und Bauen von Projekten sind Maßnahmen zur Minimierung des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser (59 %) und des Kälte- und Wärmeschutzes (52 %) häufig schon gängige Praxis.
- Rund die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, Bauherr*innen hinsichtlich Bestandserhalt und Emissionssenkungen häufig zu beraten sowie den bautechnischen Einsatz erneuerbarer Energien häufig zu planen bzw. umzusetzen.
- Der Einsatz emissionsarm hergestellter Baustoffe/Bauteile, die Wiederverwendung von Bauteilen und die Planung nach Ökobilanzierung bzw. Lebenszyklusanalyse (LCA) werden von der Mehrheit der Befragten häufig oder gelegentlich geplant bzw. umgesetzt.
- 50 % der befragten Unternehmen der Baustoffindustrie geben an, Informationen zu CO2-Emissionen ihrer Produkte zur Verfügung zu stellen.
- Ausschreibungen mit CO2-(Schatten-)Preis haben bislang nur wenige Unternehmen erhalten. Die im Vergleich häufigsten Erfahrungen hat mit 14 % die Bauindustrie gemacht.
- Strategien des „Einfachen Bauens“ werden von den Befragten der Planungsbüros genutzt, insbesondere von Architekt*innen in Form passiver Energieeinsparungen (67 %) und der Reduzierung von technischen Systemen und Ausstattungen (60 %).
Alle konkreten Fragen und Statistiken zu Antworten finden Sie im PDF-Dokument und auf dem Miroboard.
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Interview: Maßnahmen zur CO2-Reduktion
Die Reduktion von CO2-Emissionen ist ein zentrales Ziel einer umweltverträglicheren Planung, Errichtung und Nutzung von Gebäuden. Im Rahmen der quantitativen Onlinebefragung gab über die Hälfte der Befragten an, dass Maßnahmen zur Minimierung des Energiebedarfs, Beratungen sowie der bautechnische Einsatz von erneuerbaren Energien schon häufig gängige Praxis sind. In Ergänzung zur Onlinebefragung wurde im vertiefenden Interview gefragt, welche Maßnahmen beim Bauen und Betreiben von Gebäuden ein besonders hohes Potenzial zur Minderung von CO2-Emissionen haben.
Bestandserhalt und Weiterentwicklung
Nahezu alle Interviewpartner*innen thematisieren den Erhalt und die Weiterentwicklung des Gebäudebestands. Der Fokus liegt dabei auf Umbau und Umnutzung bestehender Gebäude anstelle von Abriss und Neubau sowie auf der Verlängerung der Nutzungsdauer vorhandener Strukturen.
Grundstandard
Als regulatorischer Bezugspunkt wird in diesem Zusammenhang die Einführung eines einfachen Grundstandards in den Landesbauordnungen genannt. Es wurde zudem darauf verwiesen, dass es einer Anpassung der „Anerkannten Regeln der Technik“ bedürfe, um eine Abweichung rechtssicher zu ermöglichen.
Materialsparende Tragwerke
Lösungsansätze verorten die Befragten vor allem auf der Konstruktions- und Planungsebene, etwa durch eine materialsparende Tragwerksplanung, die bereits frühzeitig im Entwurfs- und Planungsprozess adressiert werden sollte.
Materialinnovationen und Marktlogiken
Materialinnovationen stoßen in der Breite weniger auf fehlendes Interesse, sondern auf etablierte Marktlogiken und Routinen sowie technische und wirtschaftliche Herausforderungen. Helfen kann eine Kombination aus beschleunigten Prüf- und Zulassungspfaden, belastbaren Referenzen aus Pilotanwendungen, standardisierten Leistungsnachweisen sowie Beschaffungs- und Vertragsmodellen, die frühe Unsicherheiten abfedern und den Mehrwert über den Lebenszyklus anerkennen.
Baustoffe und Entwicklung
Die Auswahl von Baustoffen auf Basis ihrer CO2-Emissionen nimmt in den Aussagen der Interviewten eine große Rolle ein. Architekt*innen und Bauingenieur*innen verweisen z. B. auf den Einsatz von Kalkputzen oder auf den Verzicht von erdölbasierten Produkten. Darüber hinaus wird der Einsatz nachwachsender Rohstoffe, etwa schnell wachsender Hölzer, benannt. Eine Weiterentwicklung der Regelwerke sei eine Möglichkeit, den Einsatz klinkerarmer Bindemittel zu beschleunigen.
Zirkuläres Bauen und Sekundärbaustoffe
Ein Großteil der Interviewten misst Sekundärbaustoffen und Recyclingprodukten ein Potenzial im Hinblick auf CO2-Einsparungen bei. Vorgeschlagen wird, zirkuläres Bauen über standardisierte und skalierbare Prüf-, Aufbereitungs- und Nachweissysteme zu stärken, damit der Wiedereinsatz von Materialien nicht länger am projektweisen Mehraufwand und Einzelfallrisiko scheitert.
Rahmenbedingungen Kreislaufwirtschaft
Als mögliche Ansatzpunkte werden unter anderem Genehmigungsprozesse für lokale Zwischenlagerflächen, Bagatellgrenzen im Bundes-Immissionsschutzrecht sowie eine Weiterentwicklung der Abfallbegrifflichkeit in der Gesetzgebung angesprochen.
Steuerung
Interviewpartner*innen aus der Bauindustrie schlagen den Einsatz von CO2-Schattenpreisen insbesondere durch die öffentliche Hand vor. Befragte der Architektur fordern CO2-Limits und Vorgaben zum zirkulären Bauen. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass ein lenkender Effekt vor allem erzielt würde, wenn für jedes Bauwerk eine Lebenszyklusanalyse gefordert würde.
Forderung und Förderung
Mehrere Beiträge beziehen sich auf Anpassungsbedarfe bei bestehenden Programmen, insbesondere im Zusammenhang mit QNG und KfW. Aus Sicht der Interviewpartner*innen aus dem Ingenieurwesen, Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe sollten Leistungen wie Energieberatung, Energiebedarfs- und Sanierungsfahrpläne stärker Bestandteil der Förderkulisse sein, da die neuen Programme mit hohen technischen und dokumentarischen Anforderungen verbunden sind.
Integrale Ansätze
Über alle Branchen hinweg wird eine integrale Planungsweise wiederholt thematisiert, bei der Planung, Bau, Nutzung und Gebäudebetrieb gemeinsam betrachtet werden.
Erneuerbare Systeme und Netzintegration
Ein Großteil der Interviewpartner*innen verweist auf den Einsatz von Wärmepumpen in Kombination mit Strom aus erneuerbaren Quellen sowie auf quartiersbezogene Ansätze und die Weiterentwicklung CO2-neutraler Fernwärmenetze. Eine zukunftsfähige Bewertung von Gebäuden solle zudem umfassend auf CO₂-Reduktion über den Lebenszyklus ausgerichtet sein.
Umweltproduktdeklarationen (EPDs) und Anwendungspraxis
Umweltproduktdeklarationen (EPDs) werden von den Befragten als relevante Grundlage für die Bewertung von CO2-Emissionen beschrieben. Darüber hinaus fehlt es an der Festlegung von Quellen für die Erhebung von Umweltdaten. Weil produktspezifische EPDs für Hersteller oft aufwendiger seien, wird eine Förderung zur Erstellung von EPDs als Anreiz vorgeschlagen. Eine Förderung verbunden mit Festlegungen für die Erhebung von EPDs kann zudem für vergleichbare Umweltdaten als belastbare Grundlage für emissionsarmes Bauen sorgen.
Öffentliche Vergabe- und Steuerungskompetenz
Durch die Definition ambitionierter, aber umsetzbarer Klimaanforderungen in Bedarfsplanung, Wettbewerb und Ausschreibung können öffentliche Auftraggeber*innen CO₂-Reduktion als verbindliches Projektziel verankern und damit frühe Weichenstellungen beeinflussen, die den Großteil der späteren Emissionen bestimmen.
Die ausführliche Zusammenfassung der Interviews finden Sie im PDF-Dokument.