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Runder Tisch „Circular“

Warum dieses Thema?

Weniger als 1 % der Bauteile, die beim Rückbau von Gebäuden anfallen, werden tatsächlich wiederverwendet. Gleichzeitig ist der Bausektor für 55 % des gesamten Abfalls in Deutschland und 38 % der CO₂-Emissionen über den Lebenszyklus von Gebäuden verantwortlich. Dabei ließe sich dieser Ressourcenverbrauch massiv reduzieren – durch die konsequente Wiederverwendung von Bauteilen. 

Hier setzt der Runde Tisch „Circular“ an: Die Bundesstiftung Bauakademie hat einen Raum für Innovation, Zusammenarbeit und konkrete Umsetzung geschaffen. Unter der Leitung von Antonia Diel (Transformationsmanagerin in der Bundesstiftung Bauakademie) arbeiten Expert*innen aus der gesamten Bauwertschöpfungskette in einem netzwerkbasierten und partizipativen Prozess an zentralen Fragen

  • Warum werden so wenige Bauteile wiederverwendet? (Hemmnisse systematisch verstehen – von der Planung bis zur Umsetzung)
  • Was braucht die Praxis, um handlungsfähig zu werden? (Bedarfe identifizieren)
  • Welche Ansätze ermöglichen die Skalierung? (Konkrete Instrumente und Strategien entwickeln, die wirken)

Das Ziel des Runden Tisches „Circular“ ist es, die Wiederverwendung von sekundären Bauteilen zu skalieren und somit zum Klima- und Ressourcenschutz sowie zur Abfallvermeidung beizutragen.

Prozess

Mit der Prozessstruktur verfolgte die Bauakademie den Design Thinking Ansatz, bei dem die zielgruppenorientierte Problemlösung, die Förderung kreativer, interdisziplinärer Zusammenarbeit und die Entwicklung innovativer Lösungen im Vordergrund stehen. 

Die ersten drei Phasen wurden mit unterschiedlichen Formaten, wie Interviews, Workshops, Impulse und Priorisierung der Hemmnisse, angegangen. Basierend auf den gewonnenen Ergebnissen wurden Ideen entwickelt. Diese wurden in Schleifen vor und zurück bearbeitet – von Konzepten über Steckbriefe zu Modulskizzen – um schließlich die geeignetsten Lösungsansätze in Roadmaps für die Umsetzung herauszuarbeiten.

Teilnehmer*innen

Für die Entwicklung von zielgruppenorientierten Lösungen arbeitete die Bauakademie in einem Netzwerk, das die Bandbreite der beteiligten Disziplinen im Bauwesen widerspiegelt: Von Architekt*innen und Ingenieur*innen über Vertreter*innen aus Wissenschaft, Handwerk, Kommunen und Städten, Verwaltung bis hin zu Akteur*innen aus Rückbau, Softwareentwicklung und Versicherungswesen. 

Mit diesem geschaffenen Netzwerk wurden Hemmnisse identifiziert, die die Praxis im Planen und Bauen mit sekundären Bauteilen bislang hindert. Das gemeinsam generierte Wissen stärkte das gegenseitige Verständnis zwischen den Disziplinen für den gesamten Prozess.

Die zentralen Erkenntnisse basieren auf realen Projekterfahrungen entlang der Wertschöpfungskette.

Zentrale Erkentnisse

Durch die enge Zusammenarbeit mit Praxisakteur*innen entlang der Wertschöpfungskette entstand ein fundiertes Bild der Hemmnisse, Auslöser und Bedarfe, das auf realen Projekterfahrungen basiert.

Interviews zum Status Quo

Qualitative Interviews mit zehn Bestandshalter*innen wurden durchgeführt, um den Status Quo des Planens und Bauens mit gebrauchten Bauteilen zu verstehen und zu erfassen. Bei der Auswahl der Interviewten wurde auf eine bundesweite Verteilung aus Privatwirtschaft und öffentlicher Hand geachtet. 

Erfragt wurden Erfahrungen, Motivation und Hürden zu folgenden Themenbereichen:

Digitale Erfassung von Bestandsgebäuden

Auslöser 

  • „internes Interesse Prozesse zu testen“ sowie
  • ein „anstehender Rückbau / die Entwicklung von Bestandsgebäuden“ 

waren für sechs der Interviewten die wesentlichen Auslöser für die digitale Erfassung ihre Bestandsgebäude.

Hemmnisse 

  • „zu wenig personelle Kapazitäten (zu aufwändig)“,
  • „zu hohe Kosten“ und
  • „Standards unklar – einfach zu bedienendes Tool notwendig“ 

waren für vier der Interviewten die wesentlichen Hemmnisse für die digitale Erfassung ihre Bestandsgebäude.

Einsatz von gebrauchten Bauteilen

Auslöser 

  • „internes Interesse Prozesse zu testen“ sowie
  • „Forschungsprojekte" 

waren für vier der Interviewten die wesentlichen Auslöser für den Einsatz gebrauchter Bauteile.

Herausforderungen 

  • „Haftung & Gewährleistung“,
  • „erfahrene Praxispartner“ und
  • „höhere Kosten kompensieren & rechtfertigen" 

waren dabei die größten Herausforderungen in der praktischen Umsetzung.

Hemmnisse 

  • „keine Kenntnisse / zu kompliziert“ und
  • „kein Budget / zu teuer“ 

waren für sechs der Interviewten die wesentlichen Hemmnisse für den Einsatz gebrauchter Bauteile.. 

Übergeordnete Hemmnisse im Bestandsmanagement

  • Zu viele Bauvorschriften
  • Fehlende Verpflichtung im Baurecht zu Pre-Deconstruction Audit
  • Fehlende Personalkapazität zur praktischen Umsetzung
  • Zu hoher Aufwand beim Kauf gebrauchter Bauteile

Hemmnisse im Prozess

Beim Wechsel eines Bauteils von einem Spendergebäude in ein Nutzergebäude können eine Vielzahl an Hemmnissen auftreten. Im Rahmen der Workshops und Interviews wurden 38 Hemmnisse identifiziert. Mit Hilfe der erarbeiteten Grafik konnten diese entlang der Prozessschritte definiert und priorisiert werden. Zusätzlich stellt sie auch die Informationsflüsse zwischen den Schritten dar, die für einen flüssigen Transfer des Bauteils notwendig sind.

Priorisierte Hemmnisse innerhalb der Workshops

  • Fehlende Vernetzung zwischen Abnehmenden und Anbietenden
  • Fehlende wirtschaftliche Anreize für sortenreinen Rückbau
  • Fehlende Datengrundlagen zu Spendergebäuden und Bauteilen 

Wenn Sie externe Inhalte von aktivieren, werden Daten automatisiert an diesen Anbieter übertragen.

Bedarfe

Drei entscheidende Bedarfe kristallisierten sich im Netzwerkprozess heraus, die für eine Skalierung erfüllt werden müssen:

Vereinfachte Suche & Erfassung von gebrauchten Bauteilen

(Sekundärbauteile gibt es – aber sie sind schwer zu finden)

Für Planer*innen ist die Suche nach Sekundärbauteilen mühsam und zeitaufwändig, für Eigentümer*innen das Anbieten verfügbarer Bauteile kompliziert. 

Die Wiederverwendung von Bauteilen scheitert häufig an fehlenden Strukturen: unterschiedliche digitale Kataloge, fehlende Datenstandards für Bauteile und das Fehlen einer zentralen Vernetzungsplattform machen es fast unmöglich, Angebot und Nachfrage effizient zusammenzubringen. Das Ergebnis? Potenziale bleiben ungenutzt – obwohl Pionierprojekte zeigen, dass es technisch und organisatorisch funktionieren kann. 

Anbietende und Nachfragende brauchen eine einfache, digitale Lösung – eine bundesweite Plattform, die: 

  • bestehende Börsen bündelt,
  • Anbietende und Nachfragende vernetzt (Match-Making),
  • Filteroptionen bietet (z. B. nach Standort, Material oder Verfügbarkeit),
  • standardisierte Eingabetools für hohe Datenqualität bereitstellt.

Erhöhte Verfügbarkeit & Vielfalt gebrauchter Bauteile

(Sekundärbauteile werden nachgefragt – aber sind selten zur richtigen Zeit verfügbar.) 

Neben der digitalen Plattform benötigt es eine physische Infrastruktur – ein Netzwerk regionaler Bauteillager. 

Warum?
Zeitliche Lücken sind gegenwärtig noch ein großes Problem. Selten passt der Zeitpunkt, zu dem Bauteile ausgebaut werden, mit dem Bedarf für neue Projekte zusammen. Ohne Zwischenlager gehen wertvolle Ressourcen verloren – und ohne ausreichende und vielfältige Verfügbarkeit von Sekundärbauteile bleibt Wiederverwendung unplanbar und schlecht skalierbar. 

Es wird ein bundesweites Netz regionaler Bauteillager zur zeitlichen Überbrückung benötigt. 

Warum das entscheidend ist: Erst wenn Sekundärbauteile tatsächlich verfügbar und zugänglich sind, kann die digitale Vernetzung ihr volles Potenzial entfalten – und aus Transparenz wirkliche Nutzung werden.

Vereinfachter Wissenstransfer

(Wissen ist da - aber schwer zugänglich) 

Wertvolle Erfahrungen bleiben oft isoliert oder sind schwer auffindbar. Der Aufwand, Wissen selbst zusammenzutragen, bremst die Skalierung der Kreislaufwirtschaft. 

Benötigt wird eine zentrale Wissensplattform, die: 

  • Erfahrungen bündelt (z. B. durch KI-gestützte Tools und kuratierte Inhalte),
  • Orientierung gibt (rechtliche Rahmenbedingungen, organisatorische Lösungen) und
  • Austausch fördert (gelungene Beispiele, Kooperationsmodelle). 

Wissenstransfer ist kein Einzelthema, sondern verbindet alle Bereiche – quer durch die Disziplinen der Bauwertschöpfungskette. Nur wenn Wissen einfach verfügbar ist, wird zirkuläres Bauen zur selbstverständlichen Praxis. 

Die digitale Bauteilbörse – der präferierte Lösungsansatz.

Lösungsansätze

Mehrere Lösungsansätze wurden im Netzwerkprozess entwickelt, drei davon sind unten skizziert. 

Die digitale Bauteilbörse als zentrale Lösung, die mehrere der Bedarfe adressiert, wurde in einem separaten Workshop vertieft beleuchtet. Die drei Funktionsmodule "Bauteilkatalog", "Wissensvermittlung" und "Vernetzung" einer digitalen Bauteilbörse standen dabei im Mittelpunkt. Für diese Funktionsmodule wurden vom Netzwerk zielgruppenorientierte Steckbriefe und konkrete Roadmaps entwickelt.

Digitale Bauteilbörse

Warum? Die Verfügbarkeit von gebrauchten Bauteilen ist gegenwärtig noch gering, die (regionale) Suche nach ihnen ist aufwändig und für Planungsbüros häufig unbezahlte Arbeit.

Was? Eine zentrale digitale Bauteilbörse, verknüpft mit bestehenden Börsen und ergänzt durch eine Open-Source-Maske zur Datenerfassung. Physische Zwischenlager unterstützen die regionale Verfügbarkeit.

Wie? Zum Aufbau physischer Bauteilbörsen soll für Städte und Kommunen eine Blaupause für deren Etablierung sowie interkommunale Austauschräume geschaffen werden. Die digitale Börse wird in eine zentrale Plattform eingebettet und greift bestehende Forschungserkenntnisse auf.

Wer? Software-Entwickler, Bauteilvermittler, Politik, Börsenbetreiber, Verwaltung, Initiativen

Referenzprozesse

Warum? Regulatorische Vorgaben, fehlende Aufbereitungsbetriebe/Hersteller, unbekannte Nutzungsoptionen etc. sind Hindernisse, an denen die Wiederverwendung von Bauteilen häufig scheitert. Je nach Bauteil unterscheidet sich der Lösungsweg. Es fehlen Referenzprozesse, die zur Orientierung dienen können. 

Was? Wiederholbare Referenzprozesse werden erarbeitet, begleitet und veröffentlicht. 

Wie? Als Reallabor mit Bauteilrelevanten Stakeholdern gemeinsam Hindernisse der Wiederverwendung an den konkreten Bauteilen lösen. Aufbereitung der Ergebnisse für Öffentlichkeit. 

Wer? Verbände, Hersteller, DIN, Bestandshalter, Forschung (je nach Bauteil) 

Versicherungsmodelle

Warum? Der Verkauf und Nutzung sekundärer Bauteile ist gering, u.a. aufgrund der unklaren Haftungssituation. 

Was? Pilotierung eines Versicherungsmodells. 

Wie? Stakeholder prüfen im Rahmen realer Projekte, für welche Bauteile Versicherungen sinnvoll bzw. nicht notwendig sind. 

Wer? Versicherungsanbieter und-vermittler, Bauteilvermittler, Bestandshalter 

Kontakt

Antonia Diel
Transformationsmanagerin Klimawandel und Circular City

T 030-9940596-26
M antonia.diel(at)bundesstiftung-bauakademie.de

Videos zum Thema „Circular“

Veranstaltungen zum Thema „Circular“

Aktuelles

TiD 14 | Nutzen statt Besitzen – Rückschau

Transformationsdialog „Nutzen statt Besitzen“ 

Deutschland verbraucht so viele Ressourcen im Jahr, dass für deren Bereitstellung drei Erden notwendig wären.

Am 24. Juli 2025 ist der globale Erdüberlastungstag, dann sind alle Ressourcen aufgebraucht, die im Jahr 2025 der Menschheit rechnerisch zur Verfügung stünden. Mit der Berechnung des symbolischen Erdüberlastungstags wird verdeutlicht, wann alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht sind, die die Erde innerhalb eines Jahres zur Verfügung stellen kann.

Es besteht also Zeit- und Handlungsdruck, um die planetaren Belastungsgrenzen zu wahren. Dafür ist es notwendig, dass Ressourcen in der Produktherstellung eingespart und wiederverwendet werden. Mit zirkulär designten Produkten werden Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Ressourcenschonung zu ökologischen und wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren.

Zentrale Fragen, die während des Transformationsidalog „Nutzen statt Besitzen“ diskutiert wurden, waren: Wann ist ein zirkuläres Geschäftsmodell wirtschaftlich attraktiv und bietet neue Chancen? Welche Rahmenbedingungen müssen dafür geschaffen werden?

Begrüßung: Prof. Dr. Guido Spars, Gründungsdirektor, Bundesstiftung Bauakademie

Moderation: Antonia Diel, Transformationsmanagerin Klimawandel und Circular City, Bundesstiftung Bauakademie

Die Bundesstiftung Bauakademie hat dazu vier Expert*innen eingeladen:

  • Ines Göbel, Zumtobel Group, Dornbirn, Österreich
  • Antonia Görg, W. u. J. Derix GmbH & Co., Niederkrüchten
  • Nora Sophie Griefahn, Cradle to Cradle NGO, Berlin
  • Patrick Hypscher, Circularity e.V., Berlin

Die Videodokumentation der Veranstaltung finden Sie in Kürze auf unserem YouTube-Kanal.

KONZEPTE DER KREISLAUFWIRTSCHAFT

Nora Sophie Griefahn, Co-Gründerin und geschäftsführende Vorständin Cradle to Cradle NGO, stellte das Konzept Cradle to Cradle (C2C) für einen positiven Fußabdruck vor. Mit dem von ihr vorgestellten Projekt aus Venlo, Niederlande, zeigte sie auf, dass die Planung von Gebäuden als Rohstoffbank auch einen wirtschaftlichen Vorteil über die Restwert-Berechnung bringt.

Im C2C Lab, dem Bildungszentrum und Büro der NGO, wurde ein Ort und Reallabor geschaffen, der kreislaufgerechtes Bauen auch im Bestand abbildet. Wichtig sei es für Unternehmen, ihre Produkte neu zu denken, inklusive ihrer Logistik. Die Überarbeitung des Produktportfolios oder Integration eines neuen Geschäftsmodells genüge nicht. Die Kreislaufwirtschaft bietet auch die Chance, Resilienz zu schaffen bei immer unsicheren Lieferketten.


Patrick Hypscher, Berater bei Circularity e.V. und Podcaster von Circularity.fm, stellte das Konzept Product-as-a-service (PaaS) vor, das auch Miet- und Abo-Modelle umfasst. Lohnen würde sich ein PaaS-Model häufig dann, wenn es sich um Produkte handelt, die mit einem hohen Anschaffungspreis und häufigen Reparatur-Arbeiten verbunden sind.

Er machte darauf aufmerksam, dass die Umsetzung eines PaaS-Konzepts zu einer Ressourcenschonung führen kann, aber nicht per se muss. Dieser sogenannte Rebound-Effekt bedeutet, dass die beabsichtigten positiven Umwelteffekte schlussendlich geringer sind als die tatsächlichen negativen Effekte.
Solange primäre, fossile Materialien noch günstiger als sekundäre sind, sind zirkuläre Geschäftsmodelle häufig noch im Nachteil – es brauche andere Preissignale und die Integration der Umweltkosten!


ZIRKULÄRE GESCHÄFTSMODELLE IN DER PRAXIS

Antonia Görg, Bau- und Wirtschaftsingenieurin bei Derix GmbH, stellte die bisherigen Erfahrungen im Wandel von linearer zu zirkulärer Praxis im Ingenieurholzbau vor. Als Nachhaltigkeitsmanagerin begleitet sie neue Geschäftsmodelle (Rücknahmeverpflichtungen) und monetäre Anreize (Emissionshandel) für die Derix-Gruppe.

Seit 2021 verpflichtet sich Derix freiwillig, alle Produkte nach deren Nutzung und Rückbau zurückzunehmen. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal bietet sich die große Chance, ihre Lieferketten des verknappenden Rohstoffs Holz zu sichern. Angeregt zur Einführung der Rücknahmeverpflichtung wurde Derix durch das vorgestellte Bauprojekt „Circl“ in Amsterdam, Niederlande, wo diese Verpflichtung verbindlich gilt. Die kreislaufgerechte Planung, die lösbare Verbindungen und die Rückbaubarkeit aller Gewerke einschließt, ist für ein erfolgreiches zirkuläres Geschäftsmodel notwendig. Antonia Görg wies auch darauf hin, dass neue Finanzierungsmodelle und rechtliche Sicherheit sowie Normung für eine Skalierung entwickelt werden müssen.

Bei der Bauauftragsvergabe des Kreisarchivs in Viersen wurde der Erlass des Landes NRW umgesetzt, mit dem das Zuschlagskriterium „Kosten“ auf Basis der Lebenszykluskosten ermöglicht wird. Auf diese Weise hatte das zirkuläre Bauen einen preislichen Vorteil vor anderen Wettbewerber*innen, da ein Restwert nach einem Rückbau einkalkuliert und die reduzierten Kosten der Umweltbelastung einflossen.

Ines Göbel, Industriedesignerin bei Zumtobel Group, stellte deren Nachhaltigkeitsstrategie und Umsetzungserfahrungen vor. Mit der Einführung der internen Circular Design Rules kann die Zirkularität bei jedem Produktentwicklungsprozess verfolgt werden, denn Rückbaubarkeit beginnt im Design.

Im Rahmen eines Pilotprojekts lernte die Zumtobel Group viel über die Relevanz einer schonenden Demontage, ohne die eine Wiederverwendung der Produkte selten möglich ist und damit auch nicht skalierbar.

Ines Göbel machte darauf aufmerksam, dass Mietmodelle für Kommunen derzeit keine Lösung darstellen und es eine Überarbeitung der Abschreibungslogik benötigt.

Die Panelist*innen sprachen sich für mehr Mut aus zu beginnen, auch wenn nicht alle Fragen beantwortet sind. Wissen könne besonders während der Umsetzung gewonnen werden und Fehler sollten als Lernquelle gesehen werden. Beim Aufbau zirkulärer Geschäftsmodelle sei es wichtig, sich intensiv mit den Bedürfnissen der eigenen Kund*innen auseinanderzusetzen und auch mit nachgelagerten Service-, Reparatur- und Rückbaudienstleistenden, um das erfolgversprechendste Model zu finden und einen negativen Rebound-Effekt zu vermeiden. 

© Bundesstiftung Bauakademie, Fotos: Anke Illing