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TiD3 | Klimaschutz und historischer Städtebau - Rückschau

Am 7. September 2023 setzte die Bundesstiftung Bauakademie ihre Veranstaltungsreihe „Transformation im Dialog“ fort. In der dritten digitalen Veranstaltung mit dem Titel „Klimaschutz und historischer Städtebau“ gings um die Möglichkeiten und Grenzen für eine klima- und ressourcenschonende Bestandsentwicklung in historischen Stadtquartieren.

Armin Mayr, Leiter der Abteilung Entwicklungsplanung im Stadtentwicklungsamt Regensburg, stellte die erfolgreiche Sanierung der Regensburger Margaretenau-Siedlung vor. Das sehr ambitionierte Projekt verbindet den behutsamen Umgang mit historisch wertvoller Bausubstanz mit modernsten Möglichkeiten der klimaschonenden Ertüchtigung. So werden z. B. Gebäude-Fassaden mit einem innovativen, mineralischen Mikrohohlglaskugel-Dämmputz versehen, der das historische Erscheinungsbild erhält. Gleichzeitig wird die gesamte Strom- und Wärmeversorgung sukzessive auf erneuerbare Quellen aus Photovoltaik und grünem Wasserstoff umgestellt. Entscheidend für den Erfolg des Projekts war laut Armin Mayr der Mut der Baugenossenschaft, sich auf unbekannte Wege zu begeben sowie die ganzheitliche Herangehensweise der ausführenden Büros beim Erstellen des Sanierungsfahrplans.

Dr. Gregor Langenbrinck, Geschäftsführer des Büros Urbanizers, gab einen Überblick über die Möglichkeiten und Grenzen des Förderprogramms für energetische Stadtsanierung in historischen Bestandsquartieren. So bietet das Programm aus seiner Sicht eine sehr gute Basis für die klima- und ressourcenschonende Ertüchtigung von Quartieren, weil es thematisch von der Energieversorgung über die Begrünung von Dächern und Fassaden bis hin zur Digitalisierung eine große Bandbreite an wichtigen Zukunftsthemen abdeckt. Der Umsetzungserfolg hängt jedoch maßgeblich von der Datenverfügbarkeit sowie von der Prozessgestaltung ab. Gregor Langenbrinck betonte, dass Quartiersmaßnahmen integriert und umsetzungsorientiert gestaltet werden sollten, damit sie gelingen können.

Nora Wolter, Klimaschutzbeauftragte des Bezirksamts Berlin-Mitte, erinnerte das Publikum an die inhärenten Zielkonflikte bei der Umsetzung von Klimaschutz und Klimawandelanpassung im Quartier. Hier stehen sich Ziele wie z. B. die Innenverdichtung und der Erhalt von Freiflächen notwendigerweise entgegen. Die Kunst liegt also in der Abwägung zwischen diesen und allen anderen öffentlichen Belangen. Zuletzt stellte Nora Wolter die gemeinsame Initiative des Bezirksamts Mitte sowie der Bundesstiftung Bauakademie zur klima- und ressourcenschonenden Entwicklung des Schinkelquartiers vor und hob für diese Gegend die Wichtigkeit der Klimawandelanpassung hervor.

Prof. Dr. Heike Oevermann, Professorin für Denkmalpflege und Bauen im Bestand an der TU Wien, führte aus, dass es bei der Denkmalpflege insbesondere um die Wertschätzung des Bestandes geht, und dass diese Wertschätzung auch für die aktuellen Herausforderungen der Baubranche als Vorbild dienen könnte. Sie stellte außerdem drei Strategien zum Umgang mit historisch wertvollen Quartieren vor. Erstens stellte sie heraus, dass durch die Einbindung vielfältiger Akteur:innen in denkmalpflegerische Entscheidungen wertvolles Wissen eingebracht wird. Zum Zweiten argumentierte sie, dass der Suffizienzgedanke, der vielen Baudenkmälern innewohnt, als Vorbild dienen sollte. Und drittens machte sie deutlich, dass Denkmalpflege stets den Spagat zwischen individuellen Lösungen für individuelle Gebäude und der breiteren Anwendung bewährter Methoden wagen müsse.  

 

In der anschließenden Diskussion, moderiert von Dr. Leslie Quitzow, Wissenschaftliche Referentin Stadtentwicklung und Zukunftsforschung, wurde ein weiterer Aspekt kritisch diskutiert, nämlich der Autoverkehr, der weder den aktuellen noch den historischen Ansprüchen an nachhaltigen Städtebau gerecht wird. Historische Innenstädte wie die von Regensburg oder Bamberg haben über Jahrhunderte ohne Autos funktioniert. Durch die Einführung des Autos hat die Qualität des öffentlichen Raumes deutlich abgenommen. Bei Fragen der Entsiegelung und Begrünung sollten Verkehrsflächen daher in Betracht gezogen werden. Um diese Veränderungen herbeizuführen, sollten möglichst vielfältige Akteur:innen in Prozesse zur Entwicklung historischer Innenstädte eingebunden werden. Gleichzeitig müsse man sich bewusst sein, dass gerade Beteiligungsprozesse Veränderungen auch ausbremsen können.  

Einigkeit bestand darin, dass eine deutliche Ausweitung des Grünraums in historischen Innenstädten notwendig sei, und dass diese mit Maßnahmen des Klimaschutzes abgestimmt werden müsse. Dass auch die historischen Altstädte hierzu in der Lage sind, wurde von allen Anwesenden bejaht.  

Verfolgen Sie die gegebenen Impulse und die komplette Diskussion im mitgeschnittenen Video.


Die Reihe der digitalen Fachgespräche „Transformation im Dialog“ geht weiter! Die Anmeldung zu der letzten Veranstaltung in diesem Jahr "Flachglas - Closed Loop" ist hier möglich.